Das Retten

Die Euro-Krise ist vor allem von einem bestimmt:

Immerzu wird irgendetwas gerettet:

die Banken, Griechenland, Zypern und was weiß ich nicht alles

Aber was bedeutet das, etwas zu retten?

In dieser Verwendung des Begriffes bedeutet es, einer wirtschaftlichen Einheit (Unternehmen oder Land), die normalerweise kein Geld in Form von Krediten mehr bekommen würde, weiteres Geld zu geben in der Hoffnung, das sich nun alles ändert und bessert.

Deshalb ist dieses Geld geben auch immer verbunden mit irgendwelchen Auflagen.

Und immer heißt es dabei: Ein Zusammenbruch wäre noch unendlich viel furchtbar schlimmer als weiteres Geld hinüberzuschieben.

Warum ist das so schlimm?

Es geht um Bankrott oder auch Insolvenz.

Im Fall einer Insolvenz geschieht folgendes:

  1. Die entsprechende wirtschaftliche Einheit wird abgewickelt bzw. aufgelöst.
  2. Die bisherigen Geldgeber verlieren ihr Geld vollständig oder teilweise

Im Fall eines Staates kann natürlich nicht einfach abgewickelt werden, da ja irgendeine Form von Staat weiterexistieren muss.

Es geschieht dann ganz einfach folgendes:

Es kann nur noch maximal das ausgegeben werden, was tatsächlich eingenommen wurde!

(Das ist im übrigen eine sehr heilsame und gesunde Situation.)

Und hier sehen wir auch das eigentliche Problem dahinter:

Wenn gerettet werden muss, dann geht dieser Situation eine gewaltige Schieflage voraus:

Die Ausgaben waren über lange Zeiträume höher als die Einnahmen.

Das heißt, es handelt sich um ein wirtschaftliches Gebilde, das in seiner gegenwärtigen Form eigentlich nicht lebensfähig ist. (Und deshalb liegt es ja auch im Sterben.)

Aber warum sollte ein wirtschaftliches Gebilde, das über Jahrzehnte nicht funktioniert hat, nun plötzlich doch funktionieren, nur weil ihm weiteres Geld gegeben wird und dabei ein bisschen der erhobene Zeigefinger geschwenkt wird ("Nun spart aber in Zukunft mal schön")?

Das ist Augenwischerei!

Die Rettungspakete dienen lediglich der Aufrechterhaltung einer Illusion:

Wir verschieben den Zeitpunkt, an dem die bisherigen Geldgeber knallhart mit der Tatsache konfrontiert werden, dass ihr Geld schon längst verloren war.

Die Desillusionierung wird aber nur verschoben. Es findet keine Heilung statt. Stattdessen wird eine weitere Hypothek auf den zukünftigen unausweichlichen Zusammenbruch geladen, der dadurch noch größer ausfallen wird.

Paradoxerweise ist der Zusammenbruch genau die heilsame Lösung.

Das Geld (in Form der Schulden) ist sowieso verloren, ob wir das nun sehen wollen oder nicht.

Ein Zusammenbruch bietet die Chance, dass an der Stelle des alten nicht mehr funktionsfähigen Gebildes etwas neues, funktionsfähiges wachsen kann.

Staatliche Strukturen fallen auseinander und können danach neu und besser wieder aufgebaut werden.

Wirtschaftliche Einheiten, die über lange Zeiträume mehr ausgegeben haben, als sie eingenommen haben, sind gar nicht fähig, anders zu existieren.

Wenn aber kein Geld mehr nachkommt, entsteht ein existenzieller Zwang, ein neues Gebilde zu schaffen, das mit dem eingenommenen Geld auskommt.

nächstes Kapitel: Sparen oder nicht?
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